Generell gilt, dass bei einer Narbenhernie (oder nach deren Operation) Sportarten vermieden werden sollen, die den intraabdominalen Druck stark erhöhen und hohe Zug- und Scherkräfte auf die Bauchwand ausüben. Biomechanisch gesehen ist das Ziel, die geschwächte Bauchregion zu schonen und das Risiko eines Bruchsackvorfalls, ggf. mit Einklemmung oder eines Rezidivs (erneute Hernien-Bildung) zu minimieren.
Biomechanische Aspekte der Belastung
Der Hauptrisikofaktor bei sportlicher Betätigung ist der Anstieg des Drucks im Bauchraum (intraabdominaler Druck, IAP). Dieser Druck wirkt direkt auf die Bruchpforte oder die frisch vernähte/mit einem Netz verstärkte Bauchwand.
- Druckerhöhung: Jede Form von Bauchpresse, schwerem Heben oder abrupten Bewegungen führt zu einem deutlichen Anstieg des IAP. Daher auch Vorsicht bei Verstopfung!
- Zugkräfte: Übungen, die die Bauchmuskulatur intensiv kontrahieren lassen (z.B. Sit-ups), erzeugen starke Zugkräfte auf die Narbe.
- Scher- und Stoßkräfte: Kontaktsportarten, Sprünge und schnelle Richtungswechsel belasten die Rumpfmuskulatur unkontrolliert und dynamisch.
Empfohlene Sportarten
Die Wahl der Sportart hängt von gemessenen Veränderungen des intraabdominellen Druckes (IAP) und der Scher-, Stoß- und Zugkräfte in der Bauchwand ab:
| Biomechanischer Ansatz | Empfohlene Sportarten (geringe IAP-Veränderungen erwartet) |
| Geringe, gleichmäßige Belastung | Gehen, Wandern, Nordic Walking (ohne Tragelast, ohne Berge) |
| Kontrollierte Bewegungen | Stand-Radfahren im Liegen, Aquajogging (nach Wundheilung) |
| Stabile Rumpfmuskulatur | Aqua-Joggen (nach ärztl. Freigabe) |
| Vermeidung von Pressen | Durch Anpassen der Atemtechnik, Körperhaltung und Lebensstil |
Zu vermeidende Sportarten mit hohen IAP-Werten sind Kraft-Training mit dem Heben von Gewichten, Bauchmuskel-Training mit Sit-ups und Crunches, Kontakt-Sportarten z.B. Fußball oder Ringen, alle Sportarten mit Sprüngen und Sprints.
